Der Zeitentaucher von Tammy Lincoln {Rezension}

Die unerschrockene Piratentochter Olivia macht von Hawaii aus mit ihrer schrägen Crew die Südsee unsicher. Da spült das Schicksal ihr einen Mann vor die Füße, der behauptet, er komme aus der Zukunft. Robert, der Meeresbiologe, bringt sie völlig durcheinander: Erst mal steckt er in einer schwarzen Gummihaut und hat Flossen wie ein Fisch, dann entpuppt er sich als der wohl der heißeste Kerl der sieben Weltmeere. ARRRR! Doch auf dem Piratenschiff gelten strenge Regeln: Wenn der Fischmann sein Leben retten will, muss er sich als Piratenkrieger beweisen, einen legendären Familienschatz finden und ihren durchtriebenen Widersacher, den „Großen Chang“, zu den Haien schicken … (Klappentext)



Zum Inhalt: 
Olivia hat deutsche und hawaiianische Wurzeln. Schon ihr Großvater und nun auch ihr Vater sind als Freibeuter über die Weltmeere gesegelt. Olivias Mutter stirbt nur wenige Tage nach ihrer Geburt und so bleibt sie bei ihrer Hawaiianischen Großmutter, während ihr Vater auf See ist. Als ihre Großmutter verstirbt muss sie in ein missionarisches Waisenhaus. Hier wird ihr verboten nach den alten Traditionen der Hawaiianer zu leben und den Kontakt zu ihren Ahnen und Göttern aufrecht zu erhalten. Einmal im Jahr kommt ihr Vater und eines Tages erlaubt er Olivia mit an Bord zu kommen. Eine bunte Crew aus Deutschen, Franzosen, Polynesiern, Hawaiianern, Afrikaner und vielen anderen Völkern segelt unter dem Kommando von Olivias Vater. Doch so verschieden die Männer sind, so gilt doch für alle, dass die Tochter vom Kapitän tabu ist.
Als die „Hinakua“, so der Name des Piratenschiffs, vor Australien liegt taucht plötzlich ein seltsames Wesen mit Gummihaut auf. Die Piraten retten das Wesen und es stellt sich heraus, dass es sich um den Meeresbiologen Robert aus Hamburg handelt, der auf einem Tauchgang zu Forschungszwecken war und plötzlich durch einen Zeitstrudel 150 Jahre in die Vergangenheit gereist ist und sich nun im Jahr 1852 wieder findet. Die Piraten wollen eigentlich einen Schatz heben zu dem sie nur die halbe Karte haben doch vorher müssen einige Vorbereitungen getroffen werden und der Mann aus der Zukunft muss sich unter Beweis stellen. Während der Zeit an Bord verlieben Robert und Olivia sich in einander, doch diese Liebe ist an Bord nicht erlaubt und auch andere Männer an Bord haben Interesse an der mittlerweile erwachsenen Kapitänstochter. Bevor Olivias Vater jedoch entscheidet wer seine Tochter bekommt gilt es nach Tasmanien zu segeln um die zweite Hälfte der Schatzkarte zu bekommen. Auf dem Weg dorthin gilt es nicht nur gegen chinesische Piraten zu kämpfen sondern auch der Zusammenkunft der Ozeanischen Völker beizuwohnen.

Meine Meinung:
Nachdem ich den Klappentext gelesen habe musste ich beim Familienschatz gleich an die Schatzinsel denken und bei dem vor die Füße gespülten Piraten an Fluch der Karibik. Dem war aber nicht so. Bis zum Schluss war ich mir unsicher um was für eine Geschichte es sich denn nun handelt. Zum einen wäre da der Aspekt der Zeitreise von Robert, die durch ein Aztekenamulett möglich wurde. Der Mann aus der Zukunft findet sich 150 Jahre in der Vergangenheit wieder und versucht den Piraten an den Erkenntnissen der Wissenschaft teilhaben zu lassen. Bringt ihnen die Mund-zu-Mund-Beatmung bei oder erklärt, dass brauner Reis Vitamin-B enthält, das eine der unter Seefahrern weit verbreiteten Krankheit heilen kann. Robert versucht den Piraten auch zu erklären, dass das Great Barrier Reef, neben dem sich das Schiff zu Beginn der Geschichte befindet, durch Umweltverschmutzung angegriffen ist und die Korallen absterben. Auch wird die Gefangenschaft von Delfinen thematisiert. Dann ist da die Suche nach dem Schatz die für mich nicht wirklich an Spannung gewinnen konnte. Die Geschichte dümpelte mal auf flauer und mal auf stürmischer See vor sich hin. Kaum war ein Schiff in Sicht gekommen, dass gekapert werden sollte war dann wenige Seiten später auch schon wieder alles vorbei, bevor die Spannung sich richtig aufbauen konnte. Dazu kommt die spirituelle Seite des Buches. Olivias Mutter hatte eine besondere Begabung von den Göttern und Vorfahren bekommen, die sie an ihre Enkelin weiter gegeben hat, von der sie immer gesagt hat, dass diese eine Delfinfrau sei. Olivia versucht sich mit Hilfe eines Hawaiianers aus der Crew an ihre Wurzeln zu erinnern und die alten Rituale und den Hulatanz in ihren Erinnerungen neu zu beleben um den Auftrag ihrer Großmutter, den Kreis zu schließen, erfüllen zu können. Die verschiedenen Formen der Götter und ihre Erscheinungsformen sowie das Ritual des reinigenden Bades werden angesprochen. Und zu den Themen Zeitreise, Umweltverschmutzung, Piratenabenteuer und hawaiianische Riten kommt noch die Liebesgeschichte zwischen Robert und Olivia. Obwohl sie kaum ein Wort miteinander sprechen verlieben die zwei sich ineinander entgegen aller Regeln.
Den Gedanken der Zeitreise und auch das Piratenabenteuer finde ich spannend und auch etwas über die Wurzeln von Olivia zu erfahren ist sicher reizvoll. Für meinen Geschmack versucht die Autorin, Tammy Lincoln, jedoch zu viel unterzubringen, so dass keiner der Aspekte wirklich an Tiefe und Spannung gewinnt. Alles erscheint oberflächlich und schnell erzählt. Das Gefühl von „in den letzten fünf Minuten des Filmes soll erzählt werden, was aus den Akteuren geworden ist“ hat mich die ganze Zeit nicht losgelassen. Beim Lesen fühlt es sich wie eine Zusammenfassung an, bei der viel zum Intergrund der Crew erzählt wird, aber die spannenden und abenteuerlichen Passagen gekürzt wurden. Während in der ersten Hälfte des Buches vor allem auf das Leben an Bord eingegangen wird, dreht sich in der zweiten Hälfte fast alles nur noch um die Liebesbeziehung zwischen Robert und Olivia und um die Zusammenkunft, dass Singsing, der ozeanischen Völker, die zur Geschichte wenig beiträgt, dafür aber die Landschaft der Südseeinseln bildlich beschreibt. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse aber auch dabei geht es nicht in die Tiefe sondern es geht im Schnelldurchlauf durch die Handlung.

Meine Empfehlung:
Wer auf der Suche nach seichter Strandlektüre ist und sich einfach nur berieseln lassen will, dem wird es vielleicht gefallen. Wer auf der Suche nach einer großen, rührenden Liebesgeschichte oder einem spannenden Freibeuterabenteuer ist, dem würde ich es nicht ans Herz legen. In diesem Fall hatte ich das Gefühl, dass das Cover mehr über das Buch aussagt, das bereites 2005 unter einem anderen Titel erschienen ist, als der Klappentext. 

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar über Blog dein Buch bekommen. Der Titel „Der Zeitentaucher - Mit Schiff, Charme und Kanonen“ von Tammy Lincoln ist bei books2read erschienen. Vielen Dank für die Möglichkeit eine Rezension über dieses Buch schreiben zu dürfen.

7 liebe & nette Meinungen

  1. Liebe Rebecca,
    da hast du ja eine ausführliche Buchbeschreibung geschrieben. Hört sich sehr gut an, solche Bücher mag ich eigentlich gerne lesen, aber durch meine KH fällt mir das Lesen leider etwas schweer, aber ich versuchs immer wieder.

    Liebe Grüße
    Marita

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  2. Solche Bücher sind der Grund, warum ich bisher mich noch nicht angemeldet habe bei "Blog dein Buch".
    Man ist ja dann praktisch auch gezwungen, es zu Ende zu lesen, auch wenn es nicht so gefällt.
    Hat man die Auswahl oder bekommt man ein Buch zugeteilt?

    Liebe Grüße
    Ina

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    1. Hallo Ina,

      du kannst dich auf Bücher bewerben und wenn du Glück hast, dann bekommst du es. Es steht immer dabei wie viele Exemplare es gibt und wie viele Bewerber. Bei Silber hatte ich beispielsweise kein Glück. Es ist spannend mal etwas anders zu lesen, da man ja sonst immer in seiner gewohnten Rubrik stöbert. Wäre es zu schlimm geworden, dann hätte ich es sicher nicht gelesen und dann einfach geschrieben warum es gar nicht ging.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  3. Ich hatte auch erts überlegt, ob ich es als Rezensionsexemplar anfordern soll. Der Klappentext verspricht eine interessante Story. Allerdings fand ich das Cover dermaßen kitschig, dass ich dann doch erst mal andere Rezensionen dazu lesen musste. Und deine Rezension bestätigt den Eindruck der anderen. Ich schätze ich hätte mich geärgert, hätte ich es lesen "müssen".

    Liebe Grüße, Carmen

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    1. Hallo Carmen,

      dass das Buch schon vor Jahren erschienen ist, hatte ich erst später gesehen. Der Klappentext hat mich halt gepackt. Klang nach einem spannenden Piratenabenteuer für den Sommer aber das Cover... Tja. Man soll ein Buch ja eigentlich nicht nach dem Cover beurteilen, aber in diesem Fall wäre es besser gewesen :D Du hast definitiv gar nichts verpasst!

      Liebe Grüße
      Rebecca, die froh war, dass sich so seichter Stoff gut lesen lässt und ständig an Groschenromane denken musste :D

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  4. Liebe Rebecca,
    Du bekommst von mir eine Tapferkeitsmedaille verliehen, weil Du das Buch aufgeschlagen und bis zum Ende durchgehalten hast!!!
    Ich neige (leider?) dazu, Bücher nach dem Cover zu beurteilen bzw. zu kaufen.
    Hätte ich nun dieses Buch erhalten, hätte ich es vermutlich mit "unbekannt verzogen" zurückgeschickt.... (ich weiß ja, dass das nicht geht). Aber Du hast Dich durchgebissen!
    Ich hatte ja auch schon oft Bücher, die waren unheimlich zäh, doch es lohnte sich durchzuhalten, weil sie irgendwann Fahrt aufnahmen. Doch manchmal schaffe ich das einfach nicht.... Also nochmal: Hut ab!
    Liebste Grüße, Marlies

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    1. Hallo Marlies,

      ich bin ja ein Mensch, der nach dem Titel geht. Wenn der gut klingt, dann schaue ich genauer hin :D Bis zum Ende habe ich gehofft, dass da mal was passiert. Die Themen waren alle spannend und es hätte so ein tolles Buch werden können, aber irgendwie blieb alles so oberflächlich und so "husch husch". Weißt du, was ich meine? Bevor die Spannung richtig aufgebaut war, war schon alles aufgelöst.

      Bisher habe ich erst ein Buch abgebrochen und ein paar gab es, durch die ich mich gequält habe. Seit dem mag ich JKR nicht mehr sonderlich und mag keine dämlichen Schafe :D

      Liebe Grüße
      Rebecca

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Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mir einen Kommentar zu schreiben. Ich freue mich sehr.

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