Hier bloggt Mario: Ein Täschlein fürs Werkzeug

Schon seit längerer Zeit bin ich fasziniert von einer Tasche des "Seebären", wie ihn Rebecca hier nennt. Vor vielen Jahren, als sein Großvater noch mitten im Leben stand und ein eigenes Auto fuhr, hatte dieser bereits ein kleines Täschlein mit Werkzeug im Wagen, um das eher rudimenär ab Werk ausgestattete Bordwerkzeug der meisten Hersteller sinnvoll zu erweitern - das Urtäschchen. Nachdem der Großvater sein Fahren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste übernahm der Seebär das Urtäschchen für sein Fahrzeug. Eine schöne Idee wie ich finde. Daher möchte ich diese nun auch für mich übernehmen. 



Man sieht es dem Täschlein an, dass sie bereits viele Jahre lang treue Dienste geleistet hat. Die ein oder andere Kante ist eingerissen und anderswo sichern Klebeflicken das Täschlein vor dem weiteren Einreißen. Aber sie erfüllt weiterhin ihren Zweck. Für das gängige Werkzeug braucht man sich nicht auf den Weg in die Garage machen oder in den Keller tapern. Außerdem passiert es schon mal, dass man gerade unterwegs ist und für den ein oder anderen Handgriff ein Werkzeug benötigt. Erst neulich hätte ich auch von einer solchen Werkzeugausstattung profitieren können.


Ich war zugast bei einem Freund in seiner Studenten-WG. Wir wollten zusammen etwas kochen. Man kann sich vorstellen, dass in so einer WG nicht die besten Möbel und Geräte zum Einsatz kommen. Es störte daher auch eigentlich keinen der Bewohner, dass der Griff der Bratpfanne etwas locker war. Doch ausgerechnet als ich am besagten Tag den Stil in die Hand nahm, löste sich die Schraube vollends und plötzlich hielt ich nur den Griff in der Hand. Ich wollte den Griff schnell wieder anschrauben um weiterkochen zu können, doch die WG bestätigte wirkliche alle Vorurteile in dem sie nicht einmal einen einzigen Schraubendreher beherbergte. Ein trauriges Spiel. Wie gut, dass ich mit dem Auto angereist war und zufällig einen passenden Schraubenzieher im Kofferraum mitführte, sonst hätte ich wohl noch abenteuerliche Scherenakrobatiken an der heißen Pfanne ausprobieren müssen.


Das Prinzip vom Urtäschchen finde ich eigentlich schon nicht schlecht. Nichts großartig einordnen oder sortieren, sondern einfach rein mit den "Pieselotten" und fertig. Ich muss ja keine ganze Werkstatt drin unterbringen, als dass man den Überblick dabei verlieren könnte. Generell bin ich mit meiner Werkzeugwahl etwas beschränkt. Auf der Suche nach möglichen Ausrüstungsgegenständen habe ich im Keller ein paar ausrangierte Schraubenzieher und ähnliches von meinem Opa gefunden. Wir nähern uns also auch in der Genealogie der Ideallinie des Urtäschchens an. Da die meisten Werkzeuge eher lang als breit sind, war die Form der Tasche bereits vorgegeben - länglich. Soweit in Ordnung, allerdings müssen noch ein paar Modifikationen das bisherige Taschendesign verbessern. So sollte die Tasche etwas länger werden, damit auch Opas Hammer Unterschlupf finden kann, denn auch ein Hammer kann untwegs mal nötig sein. Außerdem sollten noch zwei Reißverschlusstaschen integriert werden, damit auch verlustbehaftete Kleinteile gut geschützt in der Tasche aufbewart werden können. 


Nach einigen verworfenen Versuchen hatte ich eine Idee wie sie aussehen sollte. Alles in allem sah das neue Format nun etwas größer und luftiger als das Urtäschchen aus. Doch wie setze ich das ganze nun um? Gibt es wohl eine Anleitung die alles berücksichtigt und "einfach" ist? Einen eigenen Schnitt (der funktioniert) hatte ich mir bislang noch nicht ausgedacht und so war ich schon etwas stolz auf mich in meinen Überlegungen überhaupt soweit vorangeschritten zu sein, dass ich mir vornahm es einfach zu versuchen. Ich nähte einfach drauf los. Was hatte ich schon zu verlieren außer einigen Metern Stoff und Zeit? Ich entschied mich für blaue Popeline. Erstens war sie in unserem Stoffladen im Angebot und unverschämt günstig und zudem ist sie noch ausreichend strapazierfähig, so dass das Werkzeug der Tasche eigentlich kaum einen Schaden anhaben kann. Also schnell die Nähmaschine, Bügelbrett, Bügeleise und Schere in Position gebracht und schon konnte es losgehen. 



Während des Nähens kam mir noch die Idee mit dem hellblauen Schrägband als optische Unterstüzung des Reißverschlusses, was mir besonders gut gefällt. Das graue Grutband stammt übrigens aus Rebeccas Sammlung, ebenso die KamSnaps (dankeschön Rebecca). Ursprünglich hatte ich ja die Idee die Lasche der Tasche mit Klettband zu sichern, doch die Lösung stellte mich irgendwie nicht zufrieden, wenn ich an meine bisherigen Erfahrungen mit selbstaufgenähten Klettband denke. Dann wollte ich auf die Idee mit dem Spanngurt als Art "Designelement" zurückgreifen, genau wie bei dem Urtäschchen. Letztendlich habe ich die Idee jedoch als unpraktisch empfunden. Druckknöpfe haben halt schon ihren berechtigten Sinn. Neu war für mich die Erfahrung flächenmäßig derart viel Vlieseline H250 zu verwenden. Umso erstaunter war ich allerdings auch, dass ich so viel drüberbügeln und pressen konnte, die Vliseline wollte und wollte einfach nicht halten. Aber ich habe ja Ausdauer, was man von der Vliseline nicht behaupten kann. Ja, ja - ich und mein Bügeleisen, ein Traumpaar. 



Doch kommen wir nun auf die beliebten Redundanzen zu sprechen. Als ich die Tasche fertig in den Händen hielt ist mir überhaupt erst aufgefallen wie riesig sie auf einmal geworden ist. In meiner Theorie und auf dem Schnittmuster sah sie wesentlich kleiner aus. Nun ja - zumindest war sie raumfüllend kontruiert. Aber dass ich jetzt eine halbe Umhängetasche vor mir halten würde, war ursprünglich nicht meine Absicht. Doch das scheint wohl zu meinem guten Ton zu gehören. Wer mich als Architekten bucht, sollte sich in Acht nehmen. Außerdem beult sich die Tasche an den Seiten leider etwas sehr aus, so dass die Lasche zum Verschließen der Tasche garnicht "dicht" hält. Ein Zeichen, dass sie zu groß ist bzw. nicht genug gefüllt ist. Das ist aber eigentlich garnicht so schlimm, da die beladene Tasche nicht gerade im Schleudergang durch die Gegend transportiert wird - es ist ja kein Plumssack. Da finde ich die eingenähte Falte an der Innentasche schon etwas schlimmer. Es ist halt doch noch irgendwie ungewohnt gewesen so "klobige" Objekte zielführend unter der Nadel entlang zu führen.



Viel schlimmer ist jedoch meine Ratlosigkeit: Soll ich die Tasche nun wirklch als (zugegeben sehr große) Werkzeugtasche benutzen? Dafür finde ich sie mittlerweise fast zu schade und vielleicht auch etwas fehlkonstruiert. Ein wenig kleiner und bescheidener wäre im Sinne der Mobilität und in Anlehnung an das originale Urtäschchen vielleicht doch angebrachter gewesen. Aber so passen natürlich noch mehr Werkzeuge hinein und die Tasche kann quasi mit ihren Herausforderungen und Aufgaben wachsen. Vielleicht hätte ich aber auch auf Opas Hammer bei der Planung verzichten sollen. Andererseits plagt mich dann die Überlegung, wie eine enstprechende Anschlussverwendung für meine blaue Eigentlich-war-ich-mal-als-Werkzeugtasche-gedacht-Tasche aussieht. Rebecca und ich haben sie bereits als Provianttasche für unterwegs getestet. Zwei Flaschen Sprudel mit Bechern und Kekse finden ausreichend Platz in ihr. Aber soll das ihre Zukunft sein? Ich bin mir noch unschlüssig. 



Jedenfalls bin ich schon ein wenig stolz auf mich, dass ich diese Tasche ganz alleine kontruiert und auch genäht habe. Rebecca wusste von nichts und war auch sehr überrascht als ich mit der Tasche in den Händen vor ihrer Haustür stand. Nach etwa Anderthalb Jahren Erfahrungen mit der Nähmaschine möchte ich daher so frei sein und sie quasi als meine "Zwischenprüfung" präsentieren, in der ich das bereits gelernte verarbeitet habe. Außerdem war es eine vorbereitende Aufgabe und Hinleitung zum nächsten Großprojekt, das Rebecca und ich uns vorgenommen haben. Na gut, für Rebecca ist es nicht mehr groß. Aber für mich. Mehr wird jedoch nicht verraten. Das könnt ihr dann bestimmt bald hier nachlesen. 
 
Viele Grüße
Mario

Verlinkt (mit Rebeccas Hilfe):

5 liebe & nette Meinungen

  1. Lieber Mario,
    Ich hab jetzt drei mal wow für dich und deine Tasche! Bin echt begeistert.... schon die Idee ist klasse und Nachahmung bedürftig!!! Ich sag mal einfach : "zwischen Prüfung mit 1+ bestanden " ;-)
    Danke fürs zeigen, fürs erzählen und für die Anregung!
    Liebe grüße,
    Betty

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  2. *lach* sehr gut geworden. Werkzeug kann man nie genug haben und die Tasche wird sich bestimmt schneller füllen als einem lieb ist.
    Und jetzt bin ich wahnsinnig neugierig was euer Projekt ist!
    LG Alex

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  3. So. Ich jetzt aber auch noch :D Deine Tasche finde ich immer noch klasse. Das nicht alles perfekt ist, ist doch okay. Du willst meine erste gar nicht so genau angucken ;) Die vielen kleinen Details mag ich ja total und als du damit vor der Tür gestanden hast war ich schon baff. So ganz alleine und ohne mich - Unverschämtheit! Aber stolz bin ich doch auf dich. Da können wir unseren SewAlong ja endlich angehen!

    Liebe Grüße
    Rebecca, die der Meinung ist, dass du noch viel öfter hier schreiben musst!

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  4. Und ich dachte schon: "Rebecca und 'ne Werkzeugtasche!?!" - Na ja, blau ist sie. Würde doch passen! :-)
    Und soooooooo viel schöner als die Urversion! :-)
    Alles Liebe!

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    1. Hallo Pamela,

      ich war wirklich total begeistert und es würde sich sicher etwas finden, was man da reinpacken kann :D Außerdem braucht man doch hin und wieder Werkzeug ;) Man ist ja doch ein bisschen Selbstständig...

      Liebe Grüße
      Rebecca

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