Unverschlüsselt von Albrecht Mangler {Rezension}

München, 2052: Das Wetter ist gut, das Leben entspannt. Im internationalen Netzwerk TUBE läuft rund um die Uhr die beste Unterhaltung. Und sollte doch mal so etwas wie ein Problem auftreten, gibt es dafür stets die richtige App. Vigo und seine Freunde träumen davon, in der schönen neuen Welt reich und berühmt zu werden – mit einem Dokumentarfilm über die 2010er Jahre, jene längst vergessene, verrückte Zeit, als sich die Menschen noch Gedanken um belangloses Zeug wie Datenschutz und totale Überwachung machten. Bei ihren Recherchen stoßen sie auf einen Keller voller Relikte aus der damaligen Zeit. Und die sind inzwischen allerfeinste Schwarzmarktware … (Klappentext)


Zum Inhalt:
Im Jahr 2052 leben die vier Freunde Vigo, Thori, Hans und Paul in einer Münchener WG. Das Leben ist komplett vernetzt und digitalisiert. Der Streamingdienst „TUBE“ liefert rund um die Uhr personalisierte Unterhaltung während die Kinder direkt nach der Geburt von ihren Eltern beim sozialen Netzwerk „Puma“ angemeldet werden. Über diese Netzwerke ist alles miteinander verbunden und damit scheint die WG auch glücklich zu sein. Vigo designt Tattoos und dazu passende Musik, der Nutzer kann diese über Puma direkt kaufen und sich von seinem 3D-Drucker aufbringen lassen. Thori ist die einzige Frau in der WG und Musiker, Hans macht Filme und Paul ist Sozialwissenschaftler.
Diese vier wollen reich werden und das über TUBE und Puma. Es ist so leicht. Jemand stellt etwas ein und verdient, wenn andere die Inhalte kaufen oder teilen. Da man sich um Kopieright und Datenschutz keine Gedanken mehr machen muss ist es auch kein Problem, wenn andere Nutzer diese Inhalte ebenfalls verkaufen, denn man verdient ja weiter mit – ein super Schneeballsystem. Doch womit könnte der WG der Durchbruch gelingen? Mit Ambrosien! Der Aufbruchstimmung der 10er Jahre. Der Milch-und-Honig-Zeit, als alles zum Guten floss und große Veränderungen mit Euphorie vollbracht wurden. So zumindest stellt es sich die WG vor.
Eine Dokumentation soll es werden. Ein Interview mit einem der Pioniere. Einer, der die Zeit damals nicht nur miterlebt sondern auch die Chancen gesehen hat. Ihre Wahl fällt auf Nico, den Thori über ihre Eltern kennt. Nico hat in den 10er Jahren den ersten Streamingdienst für Musik gegründet, der nachher an Puma verkauft wurde. Wie war es damals wirklich? Was beschäftigte die Menschen? Was hat sich verändert? Warum hatten die Menschen damals Angst und haben versucht die alten Zeiten zu bewahren statt sich mit Euphorie in die neue schöne Welt zu stürzen?
Der Film läuft gut an und das Ziel, die unpersonalisierte Tube am Sonntagabend zwischen 20.15 Uhr und 21.45 Uhr, die Tatort-Tradition, wenn alle das gleiche sehen und danach diskutieren, ist zum Greifen nah. Doch dann bricht alles zusammen und eine Entdeckung führt zu einem fragwürdigen Plan.

Meine Meinung:
Das Buch passt herrlich zu den aktuellen Diskussionen und lässt sich ungemein flüssig und schnell lesen. Nach nicht einmal zwei Stunden ist es dann auch schon ausgelesen. Viele Ansätze sind ungemein spannend. So die Frage wie das Leben in ca. 40 Jahren wohl sein könnte. Wie sieht der Alltag aus, womit verdient man sein Geld, wie sieht es mit der Mobilität aus, wie wird man wohnen. Zu all diesen Punkten hat der Autor sich Gedanken gemacht und beschreibt es so, dass gleich Bilder entstehen. Durch die WG bekommt man einen Einblick in das Leben. Statt dem Radio wird morgens die Tube eingeschaltet und man lässt sich mit dem berieseln, was einem gefällt. Kein vorgefertigtes Programm für alle, sondern individuell für jeden einzelnen. Der Kühlschrank meldet dem Supermarkt, was fehlt, das Auto kommt dank GPS auf Bestellung von dir Tür. Die App meldet der Krankenkasse, was man eingekauft hat und wie viel Sport man gemacht hat. So lässt sich durch einen gesunden Lebenswandel Geld verdienen oder zumindest sparen. Die WG-Bewohner verstehen die Ängste der heutigen Generatio nicht, die Angst hat unterworfen zu werden. Sie wissen, dass die Menschen Angst hatten auf Fotos in ungesunden Lebenslagen (rauchend) gesehen zu werden, da die Krankenkasse teurer werden könnte. Dies wird als unterworfen werden bezeichnet. Ganz anders ist es in der Zukunft. Hier unterwirft man sich freiwillig. Es ist ja bequem. Theoretisch könnte man alle Apps abschalten, aber das würde auffallen und Aufsehen erwecken. 
Für mich war es wirklich spannend zu lesen wie die WG ihr Filmprojekt plant und sich als „Digeologen“ bezeichnet. Für sie ist 2010 die digitale Steinzeit, die es als Archäologen zu erforschen gilt. Ab dem Punkt, in dem das Filmprojekt beinahe Scheitert und alles einen dunklen und verbotenen Weg geht fand ich es seltsam. Da wird ein Tot vertuscht um illegale Ware (Alkohol, Benzin, Vinylplatten) zu Geld zu machen. Das letzte Kapitel hat mich dann aber doch wieder versöhnt.

Meine Empfehlung:
Es ist definitiv spannend zu lesen, wie es im Jahr 2052 wohl sein könnte und wie die Menschen in der Zukunft vielleicht über unsere heutigen Bedenken lachen werden. Das Buch lässt sich flüssig und entspannt an einem Nachmittag lesen. Sicher, man kann auch ohne die Lektüre dieses Buches leben, aber schaden tut es auch nicht. Mir persönlich hat es durchaus gefallen.

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar über Blog dein Buch bekommen. Der Titel „Unverschlüsselt“ von Albrecht Mangler ist bei dotbooks erschienen. Vielen Dank für die Möglichkeit eine Rezension über dieses Buch schreiben zu dürfen.

4 liebe & nette Meinungen

  1. Liebe Rebecca,

    das hört sich total spannend an und ich werde das auf jedenfall mal lesen. Ich mache mir da schon einige Gedanken zu dem Thema, weil ich es durchaus bedenklich finde, wie mit unseren Daten teilweise umgegangen wird. Ich muss gestehen, dass mein Freund da sehr viel mehr Ahnung von hat und mich da auch mehr an dieses Thema herangeführt hat. Früher habe ich mir da ehrlich gesagt weniger Gedanken drüber gemacht bzw. die Zusammenhänge weniger verstanden.

    Danke für die Rezension! :)

    Liebe Grüße, Janine

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    1. Hallo Janine,

      es ist kein Sachbuch sondern wirklich fiktiv, aber es behandelt das Thema halt wirklich mal spannend. Ich fand es zumindest total unterhaltsam während ich sonst bei diesen Diskussionen immer nur denke "Ihr wollt FB etc. trotzdem nutzen und regt euch auf? Klar. Bringt euch nichts. Ihr könnt da entweder aussteigen, aber die werden weiter machen was sie wollen. Große Schritte vorwärts, dann der Aufschrei und ein kleiner zurück." Ja, dass ist wirklich nicht schön und sicher wäre es ein Traum, wenn es anders wäre, aber irgendwo ist man dann auch machtlos und/oder inkonsequent. Ich denke, dass man sich das doch mal bewusst machen muss was man so alles preis gibt und dann evtl. so weit es geht die Einstellungen ändert (FB nutze ich z.B. gar nicht vom Handy aus) und ansonsten muss man wohl damit klar kommen, wenn man es denn nutzen will. Doof, aber ist so. Und mal ehrlich? Ohne Blog und ohne Instagram? Ohne WhatsApp und Mail? Also ob das auf Dauer realistisch ist glaube ich ja auch nicht.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  2. Hallo Rebecca
    wollte ich mal sagen, ich schau mich gerade etwas auf deinem schönen Blog um.
    ich bin auch ein Taschaweibl (Miss Februar)...
    ich wünsch dir eine schöne Woche
    Liebe Grüße
    Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      ich freue mich sehr über deinen Besuch und jetzt schon sehr auf deine Tasche. In zwei Wochen ist es ja schon so weit :)

      Liebe Grüße
      Rebecca

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Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mir einen Kommentar zu schreiben. Ich freue mich sehr.

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