Liebe auf den ersten Stich von Tilly Walnes {Rezension}

Das neue Lieblingsteil im Schrank? Natürlich selbstgemacht! In diese Modelle muss man sich einfach auf den ersten Stich verlieben! Die ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen und umfassenden Grundlagen begleiten Nähanfänger vom Einstellen der Stichlänge über das Zusammennähen erster Teile bis hin zur Anfertigung eines eleganten Cocktailkleids. Für geübte Näherinnen bietet das Buch klassisch-schlichte Grundmodelle, die sich bis zu 20-mal raffiniert variieren lassen. Diese bilden eine zeitlos elegante Garderobe aus Schals, Nachtwäsche, Röcken, Kleidern und Blusen. Und wie nebenbei lernt man alles über die Wahl des richtigen Stoffs, die verschiedenen Sticharten, Futter und Blenden und vieles vieles mehr. Verlieben auch Sie sich auf den ersten Stich und nähen Sie sich einfach perfekte Kleider! (Klappentext)


Zum Inhalt:

„Liebe auf den ersten Stich“ ist ein Nähbuch ganz nach meinem Geschmack. Insgesamt vier Shirts und drei Röcke habe ich mir schon genäht doch so richtig zufrieden war ich noch nicht. Mit Jersey stehe ich einfach auf Kriegsfuß und bewundere jede, die damit so wunderbar zaubern kann. Dieses Nähbuch ist darum so klasse, weil alle Schnitte für Webwaren konzipiert sind. So ist der Umstieg vom Taschennähen zwar immer noch groß, aber die Eigenschaften des Stoffes bleiben schon mal erhalten. Genäht habe ich noch nicht, aber die Ideen sprudeln nur so und für den ersten Stoff habe ich mich auch schon entschieden.

Der Schreibstil ist einfach nur locker und leicht. Das Gefühl, mit einer Nähbegeisterten Freundin am Küchentisch zu sitzen bleibt wirklich nicht aus. Es geht aber nicht nur um das Nähen als solches und die Schnitte sondern auch das Gefühl, wichtige Kniffe und Grundlagen und vor allem Spaß. Die Aufmachung gefällt mir ausgesprochen gut. So überlege ich wirklich ob das Buch schon zu den anderen darf oder ob es noch ein bisschen zum Streicheln und als Deko auf dem Tisch liegen bleiben darf. Alles in Hellblau und frischem Gelb und so fröhlich mit einer großen Portion Retro.

Da Tilly selbst bloggt fühlt man sich gleich mit ihr auf einer Wellenlänge. Sie selbst sagt, dass sie sich ihren Blog eingerichtet hat um Mitglied eines „virtuellen internationalen Näkränzchens“ zu werden. Dieses Bild finde ich wirklich schön und es trifft es so gut. In der Blogwelt mag man ja doch gerne gut gekleidet sein und da gehört für nähende Bloggerinnen bei Treffen etwas selbstgemachtes doch dazu. Für mich war es bisher immer eine Tasche oder ein Loop, aber das könnte sich bald ändern, denn die Schnitte aus dem Buch traue ich mir durchaus zu. Für den Einstieg gibt es dort den Schal „Brigitte“ an dem Zuschneiden, Steppen und Säumen geübt werden. Darauf aufbauend folgen die Pyjamahose „Margot“, die Röcke „Delphine“ und „Clémence“, die Kleider „Megan“ und „Lilou“ sowie die Bluse „Mimi“. Wie gesagt: alles aus Baumwolle zu nähen.

Die Schnitte werden entweder individuell angefertigt oder sind auf den Schnittbögen, die dem Buch beiliegen enthalten. Dabei gibt es kein klassisches Größensystem sondern ein eigenes. Dieses funktioniert aber auch durch einfaches vermessen und abgleichen mit einer Tabelle. Ein eigenes Kapitel ist dabei dem Anpassen von Schnittmustern gewidmet. Wo werden wie Änderungen vorgenommen? Was mache ich, wenn Hüfte und Taille verschiedene Größen brauchen? Auch das Verlängern und Kürzen von Schnitten wird ausführlich und mit vielen Bildern behandelt. Besonders gut gefällt mir die Schreibweise und das die Nahtzugabe bereits in den Schnittmustern enthalten ist.

„Ich weiß, wie groß die Versuchung sein kann beim Anblick des Maßbandes den Bauch einzuziehen und die Brust rauszustrecken, doch es hat wirklich keinen Zweck, sich selbst zu betrügen – letztlich führt es nur dazu, dass Ihre selbst genähten Kleidungsstücke später nicht richtig sitzen. […] Freunden Sie sich mit ihrer Figur an, und freuen Sie sich darauf, dass ihre selbstgenähten Modelle perfekt sitzen werden.“

Aber keine Angst. Um Perfektionismus geht es in keiner Weise. Eine von Tillys Nähphilosophien ist nämlich, dem Drang zum Perfektionismus zu widerstehen, da die selbstgenähten Werke wahrscheinlich eh besser aussehen als die von der Stange. Da passt es wunderbar zum Konzept, dass nach dem Schal als erstes eine Schlafanzughose genäht werden soll.

Wie genau das geht wird ausführlich erklärt. Auch auf die Wahl der passenden Stoffe und das Einrichten der Nähmaschine wird eingegangen. Dabei geht es gar nicht darum sich eine teure Ausrüstung anzuschaffen sondern mit Spaß dabei zu sein und neues für sich zu entdecken. Nach jedem Kapitel gibt es dazu Variationsmöglichkeiten für die einzelnen Schnitte und Ideen, wie sich das Nähen in den Alltag integrieren lässt. Aber auch die Hilfestellung bei kleinen Nähproblemen und Pannen kommt nicht zu kurz.


Meine Meinung:

Tilly Walnes kannte ich aus der bekannten Sendung über Hobbyschneider aus Großbritannien, die bald auch nach Deutschland kommen soll. Auch von ihrem Nähblog wusste ich, doch wirklich umgesehen habe ich mich dort nie. Dann aber habe ich das Buch entdeckt und war doch neugierig und habe mich sehr gefreut, dass ich es rezensieren darf.

Auf gar keinen Fall bin ich enttäuscht worden. Das Buch lässt sich so herrlich lesen, dass es wirklich meine Bettlektüre geworden ist. Bisher habe ich in Nähbüchern geblättert, Zettel geklebt, was ich gerne mal nachmachen würde und sie dann ins Regal gestellt. Hier war es ganz anders. Ich habe wirklich geschmökert, weil es eben keine reine Sammlung von Schnittmustern und Erklärungen ist sondern ein Buch voller Leidenschaft. Ich habe Tilly wirklich abgekauft, dass es für sie die richtige Entscheidung war ihren sicheren Job an den Nagel zu hängen und sich mit allem ins Nähen zu stürzen, Kurse zu geben und Schnitte zu entwickeln. Immer wieder kommen Seiten auf denen sie berichtet wie es bei ihr war. Es muss nicht immer alles glatt laufen. Einfach ausprobieren. Sich erinnern wie es war als Kind unbefangen an neues heran zu gehen und es einfach zu machen. Nicht verbissen werden, leicht anfangen und sich dann steigern. Stolz auf die eigenen Werke zu sein. Aber vor lauter Euphorie nicht zu vergessen wer man ist und was zu einem passt. Stoffe wählen, die sich gut verarbeiten lassen (bei jedem Schnitt steht dabei welche Qualitäten empfehlenswert sind) und vielleicht zu Beginn Muster wählen, die kleine Fehler verzeihen oder damit leben können, dass Steifen sich eben nicht genau treffen. Da ich das nicht kann heißt es entweder genau arbeiten und auch mal trennen ober eben andere Muster entdecken – Tupfen sind ja auch schön.

Sehr gut hat mir auch das Kapitel zur Selbstgenähten Garderobe gefallen. Etwas nähen, das zum eigenen Stil passt, sodass gekauftes und genähtes gut gemischt werden kann und bewusst immer wieder zum Selbstgenähten greifen, damit es selbstverständlich wird. Bisher habe ich ja auch immer ein bissen Sorge, dass die Nähte nicht halten könnten. Verrückt. Bei Taschen habe ich die Sorge nicht und die müssen ja doch einiges tragen. Warum also bei Kleidung? Tilly gibt den Tipp es zu einem Ritual zu machen und spricht sogar explizit den „Me made Mittwoch“ an, der ermutigen soll selbstgenähtes zu tragen. 

Ja, da kribbelt es wirklich in den Fingern. Anfangen. Ausprobieren. Die Schnitte gefallen mir im Großen und Ganzen richtig gut. So ein Tuch für die Haare ist jetzt nicht so unbedingt meins, aber gerade Nähte und Säume umbügeln habe ich ja bereits ausgiebig geübt. Die Schlafanzughose hat es mir aber richtig angetan. Die soll es unbedingt werden. Der passende Stoff liegt seit Jahren im Schrank. Da freue ich mich schon riesig drauf. Auch einer der Röcke passt genau in mein Beuteschema. Stoff liegt auch parat und ich freue mich schon darauf, dass er Taschen bekommt. Ich brauche einfach Taschen! Irgendwann vielleicht die Bluse? Warum nicht! Und noch ein Sommerkleid? Bei so vielen Ideen fehlt wirklich nur noch Zeit.


Meine Empfehlung:

Wer gerne in Nähbüchern schmökert und eine hübsche Aufmachung zu schätzen weiß, der wird sich sicher über dieses Buch freuen. Alles wird sehr kleinschrittig erklärt und doch kommt durch die vielen Variationsmöglichkeiten keine Langeweile auf. Für mich genau das richtige Buch. Wer eine Webwarenphobie hat und keine Lust hat sich von seinem Jersey zu trenne, der darf trotzdem mal einen Blick reinwerfen.

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar über Blog dein Buch bekommen. Der Titel „Liebe auf den ersten Stich“ von Tilly Walnes ist bei Edition Michael Fischer erschienen. Vielen Dank für die Möglichkeit eine Rezension über dieses Buch schreiben zu dürfen.

10 liebe & nette Meinungen

  1. Das muss ich mir unbedingt ansehen, denn Jersey und ich werden noch nicht richtig warm. Ich hab früher viele Klamotten aus Baumwolle etc. getragen, die meine Mutter genäht hat und sie waren alle nicht steif oder unbequem.
    Danke für die ausführliche Beschreibung!
    Liebe Grüße
    Gusta, die jetzt mal shoppen geht ;)

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    1. Hallo Gusta,

      als Kind habe ich ganz viele Hosen aus Baumwolle getragen. So ein 90er Karottenschnitt mit Gummizug :D Ich lasse mich mal überraschen, wie es mit den Schnitten klappt. Lesen lässt es sich jedenfalls richtig gut. Mal sehen wie es mit den Größen so hinkommt :) Im Notfall ist das Anpassen ja auch erklärt. Mal sehen. Ich fange mal mit dem zweiten Schnitt an (wie gesagt, den Schal spare ich mir). Am Freitag ist es soweit.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  2. Hört sich sehr gut an. Ich bin mal auf die Hose gespannt :)
    LG Alex

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    1. Hallo Alex,

      nicht nur du. Bisher habe ich den Schnitt noch nicht auf Folie übertragen. Das müsste ich mal dringend machen. Evtl kann ich dann auch noch was verändern, wenn es sein muss :)

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  3. Tolle Buchvorstellung, klingt lesenswert :-) Und auch der Blog von ihr ist toll, danke für den Tipp und die schöne Buchvorstellung :-)

    Liebe Grüße, Brigitte

    P. S. Auf Deine Nähergebnisse aus dem Buch bin ich schon sehr gespannt :-)

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    1. Hallo Brigitte,

      den Schnitt habe ich vom Bogen schon auf Folie. Der Stoff ist gewaschen. Morgen geht es zum Nähtreffen und dann versuche ich es mal :) Leider ist meine Traumlocation für die Fotos so weit weg und das Wetter viel zu kalt. Ob ich so lange warten kann und will? Mal sehen :D

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  4. Das Buch habe ich auch und bin schon von der Aufmachung hin und weg gewesen! Der Rock Delphine sollte eigentlich schon letzten Monat für dein 12Monats-Projekt genäht werden, aber ich bin nur bis zum zuschneiden gekommen. Aber diesen Monat sollte ich ihn irgendwie fertig bekommen ;) Und da sind noch mehr schöne Sachen in dem Buch die ich eigentlich gerne noch nähen möchte!

    Liebe Grüße, Jessica

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    1. Hallo Jessica,

      wirklich eine Augenweide! Ich könnte es ständig aus dem Regal ziehen und ansehen. Auf deinen Rock bin ich total gespannt. Du bist ja auch ein Profi im Kleidernähen :) Ich fange mal mit der Hose an. Ich hoffe, dass ich das schaffe. Zur Sicherheit hab ich mal die größere Größe genommen. Entweder nähe ich sie noch enger oder sie ist dann eben extra bequem, es sieht nämlich doch riesig aus :D

      Liebe Grüße
      Rebecca, die ein bisschen hofft, dass du zu ihrer Party kommen magst...

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  5. Süße,

    du bist ja ein Schatz. Weißt du eigentlich wie oft ich schon dieses Buch gesehen habe und mir das Cover allein schon gefallen hat. Aber ich habe mich immer gefragt, ob das wie mit Kochbüchern ist ... tausend Rezepte und nur eines halbwegs toll. Nach deiner glanzvollen Rezeption ... tja, da muss ich es wohl definitiv haben... ;0)

    Allerliebst,
    Viktoria

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    1. Hallo Viktoria,

      die Schnitte sind sicher Geschmackssache. So Retro wie das Buch aufgemacht ist, so sind auch die Schnitte - zumindest die Beispiele im Buch. Aber wie es immer so ist muss man sich da selbst einbringen :D

      Die Hose wollten wir ja Freitag nähen, aber da ist uns die Zeit weg gelaufen. Den einen Rock würde ich gerne zur Creativa nähen (und dann evtl. schon zu der nächsten Party bei euch tragen). Auch die Kleider und Blusen finde ich toll. Aber eins nach dem anderen. Lediglich der eine Rock ist nicht mein Fall. Der steht sehr steif. An Tilly sieht er toll aus, aber bei meiner Figur geht es sicher vorteilhafter :D

      Liebe Grüße
      Rebecca

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