Mit Janice unters Auto

Der letzte Post ist schon wieder drei Wochen her, aber so ist es im Moment eben und dieser Post hat mir in den Fingern gejuckt. Die Fotos sind nicht die besten, aber so zwischen Tür und Angel oder besser Dämmerung und Werkstattchaos kann man auch keine Perfektion erwarten. Macht aber gar nichts, denn meine Janice ist eigentlich nur ein Probeteil und so war erst gar nicht klar ob ich sie euch überhaupt zeigen will. Aber am letzten Wochenende, da hatte ich meine komplette Montur an und Mario (sein letzter Post hier ist viel länger her als meiner...) war da und war so nett mit dem Handy ein paar Fotos zu machen. Seht ihr, nicht mal eine richtige Kamera hatten wir, so ungeplant war das alles hier. Und warum juckt es nun so in den Fingern? Nach weit über acht Jahren (es könnten auch bald neun sein) habe ich einen neuen Laptop und da muss ich doch mal sehen wie das Bloggen so ist. Bisher kann ich sagen, dass ich meine Bearbeitungsporgramme bzw. deren Einstellungen so weit habe, dass ich arbeiten kann und hier ist alles plötzlich so klein - könnte an der höheren Auflösung und der Brille, die in der Küche liegt, liegen. Jetzt aber genug Blabla, hier soll es um meine Werkstattjacke gehen.



Wozu braucht man eine Werkstattjacke. Tja. Das ist so eine Sache. Bei uns werden kleine bis mittelschwere Operationen am Auto selbst und in der Regel auf dem Hof erledigt. Sogar ein Auto wurde hier schon in seine Einzelteile zerlegt. Erst war es nur das "Hobby" von meinem Bruder. Inzwischen macht mir das aber auch richtig viel Spaß. Meinen kleinen Kobold in fremde Hände geben? Das habe ich bisher drei oder vier mal gemacht. Einmal zum Lackierer, dann war er noch wegen der Klimaanlage in der Werkstatt... Ich glaube, dass es das war. Alles andere haben wir selbst gemacht und abgesehen vom Krümmer (da war ich mit den Landfrauen auf Gartenreise) habe ich immer schön geholfen. Und so kam es, dass ich in den letzten zwei Jahren immer öfter auf dem Hof gekniet oder gleich unter dem Auto gelegen habe. Erst in Jeans, dann in der alten Latzhose von meinem Bruder. Aber mir taten die Knie weh, ich sag es euch. Also musste eine neue Hose mit Kniepolstern her. Nähen kam da nicht in Frage, denn die neue von meinem Bruder mochte ich viel zu gerne. Aber die Farbe war nicht meins.


Versteht mich nicht falsch. Blau mag ich immer noch total gerne, aber zwei gleiche Hosen im Haushalt? Nein. Da greift man ständig zur falschen. Die Arbeitssachen hängen bei uns nämlich an der Garderobe im Keller und kommen nicht in den Kleiderschrank. Die Variante in anthrazit gefiel mir aber gut. Nur neben der Hose auch noch eine Jacke kaufen? Nee, nee. So viel kaufen ist gar nicht gut. Da kaufe ich doch lieber Stoff. Einen Reißverschluss habe ich schon so oft eingenäht aber noch nie in eine Jacke. Warum also nicht mal üben? Schaden kann das nämlich nicht und eine Jacke zur Arbeitshose schadet nicht. Wirklich sauber ist der Hof nämlich nicht und außerdem ist der auch recht kalt. Da schadet was zum Überziehen also absolut nicht. Mein Bruder (der ist übrigens Schuld, dass es keine ernsten Fotos gibt) empfiehlt übrigens auch eine Kappe, damit die Haare sauber bleiben. Bei ihm mag das klappen, bei mir absolut nicht. Aber dank der neuen Sicherheitsschuhe (ich mag sie so gerne, dass ich sie inzwischen sogar am Wochenende und nicht nur bei der Arbeit trage) habe ich jetzt eine, die farblich passt. 


Mit der Mütze ist es aber wohl wie mit Handschuhen. Ich habe zwar welche, aber das fällt mir immer ein, wenn die Hände schon dreckig sind. Also muss ich da noch dran arbeiten oder ich muss nach der Arbeit/dem Spaß eben den Dreck aus den Haaren suchen. Es gibt schlimmeres.


Jetzt mal nicht so ernst gucken und lieber mal zur Jacke kommen. Warum es eine geben sollte (üben wie das mit dem Reißverschluss so geht) habe ich ja nun inzwischen gesagt, aber warum genau diese noch nicht. Also los: Einfach etwas zu nähen nur um es danach nie zu tragen oder gleich zu entsorgen ist mir zu schade. Die Zeit, der Stoff... Nein. Dann doch besser eine Jacke nähen, die ich auch dann trage wenn sie nicht perfekt wird und bei der es eben nicht drauf ankommt. Mir also selbst eine Jacke fürs Schrauben zu nähen war also die perfekte Gelegenheit. Von meinem Hoodie "Nelly" (den habe ich noch gar nicht gezeigt) hatte ich noch Reste in zwei Grautönen, dazu neuer Sweat in schwarz, ein Reißverschluss, Bündchen und genug Ideen im Kopf. Mehr brauchte es nicht und schneller als gedacht war die Jacke fertig. Wie hätte es auch anders sein können: Ich habe mich natürlich nicht an die Anleitung gehalten und hier und da etwas geändert und ausprobiert.


Fangen wir mal mit dem offensichtlichen an: Ich habe die Raglanärmel nicht links auf links genäht sondern rechts auf rechts und dann abgesteppt. Solche "Fake-Covernähte" habe ich schon öfter gesehen und da das hier ja eh so ein Versuchsobjekt war wollte ich es mal testen. Gefällt mir tatsächlich ganz gut und passt hier so gut zum Reißverschluss. Sonst wäre der helle Streifen so einsam und das sähe komisch aus. Bestimmt mache ich das nochmal, aber dann achte ich darauf, dass die Stoffe nicht wegrutschen. Ein bisschen seltsam sieht es nämlich schon aus, wenn die eine Lage Stoff ein wenig durch die Naht franst, weil sie nicht bis zur Schnittkante geht. Ist aber halb so wild. Hier ging es darum möglichst viel zu probieren und zu lernen.


Bei der Tasche habe ich mich doch wirklich mal an die Anleitung gehalten und sie sitzt genau auf einer Höhe, was mich sehr stolz macht. Ich hätte ja erwartet, dass es beim ersten Versuch nicht sofort klappt, aber es sieht richtig gut aus. Auch bei den Bündchen habe ich mich an die Anleitung gehalten. Sonst verlängere ich ja gerne mal, aber da ich den Reißverschluss nicht kürzen wollte habe ich es einfach mal probiert und die Jacke fällt wirklich lang aus - zumindest in meiner Größe. Aber nicht nur lang ist sie sondern auch weit. Die nächste (ja, ich hab da so eine Idee) bekommt in jedem Fall mehr Taille verpasst. So über der Latzhose ist es aber bequem und ich kann mich gut bewegen.


Aber nicht nur schön (also die "Covernähte" und die gerade Bauchtausche...) sollte die Jacke werden sondern bitte auch praktisch. Die Jacke von meinem Bruder hat so eine praktische Tasche für Stifte auch dem Arm. Sowas wollte ich auch haben. Also ein bisschen gemessen und dann einfach aus dem letzten Rest vom dunkelgrauen Sweat zugeschnitten. Die obere Kante habe ich versäubert, damit es zu den Nähten passt. Ansonsten habe ich sie einfach nur aufgesteppt. Die Höhe ist nicht perfekt. Es dürfte etwas höher sein - so endet sie genau auf Höhe des Ellenbogens. Aber auch das weiß ich fürs nächste mal. Um die Höhe zu bestimmen habe ich einfach die Jacke vor dem schließen der Seitennaht über gezogen und geschätzt. So ist die Tasche zwar nicht perfekt aber erfüllt ihren Zweck und ich bin ein bisschen schlauer.


Ebenso wenig perfekt ist der Aufnäher auf dem anderen Arm. Jetzt muss ich leider schon wieder ein bisschen ausholen. Mein Bruder fährt liebend gerne zu Automessen, Oldtimertreffen und allem was in diese Richtung geht. Regelmäßig kommt er dann mit einer Hand voll Aufnähern wieder, die dann unbedingt alle auf seine Jeansjacke genäht werden müssen, die er zu solchen Anlässen gerne trägt. Von einem dieser Ausflüge hat er mir dann auch diesen Aufnäher von Renault mitgebracht. Immerhin ist mein Kobold ja kein Kobold sondern ein Renault Clio. Passt also total gut. Erst dachte ich dran ihn vorne auf die Jacke zu nähen, aber das sah gar nicht gut aus. Hier waren die Stylefix-Patches von Farbenmix super praktisch. So konnte ich die Jacke erstmal überziehen und dann den Aufnäher hier und da hin kleben um zu sehen wo er am besten aussieht. In Anlehnung an mein Lüttestuch mit der passenden Mütze habe ich hier den Aufnäher noch mit dem hellen Sweat hinterlegt, den ich auch für den Beleg und den inneren Kragen verwendet habe. So sieht es ein bisschen interessanter aus und außerdem passt das helle grau so gut zum Reißverschluss und den Fake-Covernähten.


Warum erzähle ich euch nicht gleich weiter vom Kragen wo wir schon bei dem hellgrauen Stoff sind. bei dem habe ich mich nämlich auch nicht an die Anleitung gehalten. Eine Kapuze wollte ich nämlich nicht haben. Zum einen hätte der graue Stoff nicht gereicht (die Belege sind auch schon 90° gedreht zum Fadenlauf zugeschnitten - ja, böse, aber es ist ja "nur" ein Probeteil) und außerdem wäre es auch einfach unpraktisch. Ein Stehkragen erschien mir eine gute Lösung zu sein um doch zu lernen wie das mit dem Einnähen denn gehen würde. Für den Kragen habe ich das Schnittteil für die Kapuze auf gut Glück gekürzt und bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Nicht zu hoch und auch nicht zu wenig. Vorne habe ich das Schnittteil abgerundet, damit es zum Reißverschluss schön ausläuft. 


Im Nacken musste noch ein Detail mehr her. Immerhin wollte ich so viel ausprobieren. Irgendwo (wenn man nur immer wüsste wo das war!) habe ich mal bei einem Hoodie gesehen, dass die Kordel an der Kapuze noch einmal nach außen geführt wurde. Das wollte ich auch machen und hier gefällt es mir richtig gut. Auch die Kordel gefällt mir. Die war meine Alternative für meine aller erste Jogginghose (ja, auch die muss ich euch mal zeigen), am Ende habe ich aber doch auf den Seebären gehört und so lag diese hellgraue Kordel (passend zu Nähten, Beleg etc.) noch im Nähzimmer. Nicht so gut gefällt mir die Naht. Wäre es kein Probeteil und und würde ich mir nicht einreden, dass die Schulternähte ja auch grau und sichtbar sind, dann würde ich mich wohl ärgern, dass ich zu faul war den Faden zu wechseln. Warum da überhaupt eine Naht ist?


Weil ich mit meinem "das will ich auch mal ausprobieren" noch nicht am Ende war. Die Naht im Nacken wollte ich gerne unter Webband (natürlich auch alles in grau) verstecken und auch ein Aufhänger erschien mir ganz praktisch. Die obere Naht wollte sich eigentlich ganz gut nähen lassen, wenn auch nicht so nah an der Kante wie ich es gerne hätte. Die untere Naht war ein Krampf und ich war nur froh, als sie fertig war und auch die fehlenden Stiche waren mir dann egal. Unter dem Auto interessiert das eh keinen. Hier lag die Nahtzugabe leider so, dass der Nähfuß immer wegrutschen wollte und ich darum auf den Zickzackstich ausgewichen bin, damit das Webband wenigstens hält. Nicht perfekt, aber ich weiß jetzt immerhin worauf ich so achten muss.


Jetzt aber genug von den völlig unseriösen Fotos und von meiner Jacke. Ich trage sie richtig gerne und freue mich immer, wenn es was zu tun gibt. Was wir da überhaupt getrieben haben? Ein Stromkabel quer durch das neue Auto (falls es euch interessiert kann ich euch den Schlagzeilenkäfer sehr empfehlen) gezogen und eine Anhängerkupplung angebaut. Und warum ich nicht ernst beleiben konnte? Wer meinen Bruder kennt wird es wissen. Redet ohne Punkt und Komma und anders als Lachen geht da nicht. Wenn dann noch der Kaffeebesuch am anderen Ende vom Auto steht um zu gucken, was wir da so treiben, dann kann ich mich da zumindest nicht konzentrieren. Aber immerhin habe ich mal wieder gebloggt und die Jacke hat es auch geschafft gezeigt zu werden. Da ist das schon in Ordnung und ich schaue mal ob, wann und wie es hier die nächsten Kleidungsstücke von mir gibt.


Schnittmuster: Kapuzenjacke "Janice" von Pattydoo
Material: schwarzer Sweat und Reißverschluss von Alles für Selbermacher, schwarzes Bündchen, hellgrauer und dunkelgrauer Sweat sowie Krodel von Lisas Stoffe aus Rheda, Ösen vermutlich von Prym oder Snaply

Verlinkt: RUMS, Webbandliebe

2 liebe & nette Meinungen

  1. *lach* Göttlich :)
    Ich freue mich schon dich bald wieder zu sehen!
    LG Alex

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Alex,

      ich freue mich auch schon auf dich und aufs nähen. Dann versuche ich mich mal an Softshell und Hamburg. Mal sehen, wie das so wird. So ohne Video :O

      Liebe Grüße
      Rebecca

      Löschen

Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mir einen Kommentar zu schreiben. Ich freue mich sehr.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...