Upcycling Planentasche {Probenähen}

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass ich erstmal alles zeige, was teilweise schon seit über einem Jahr hier auf der Platte schlummert. Aber am letzten Samstag habe ich mich mit Alex von "made by Alex" zum Nähen getroffen. Im letzten Jahr haben wir es wirklich jeden Monat geschafft - dieses Jahr ist es leider nicht so gut gelaufen. Aber trotzdem freuen wir uns beide schon auf das nächste Treffen. Das Treffen habe ich gleich zum Anlass genommen ein Projekt zu realisieren, das schon eine ganze Weile versprochen ist und für das das Material hier auch schon ein paar Wochen oder eher Monate liegt. So habe ich am Freitag zugeschnitten - bei all den rechteckigen Teilen geht das wirklich super schnell - und konnte mich am Samstag gleich ins Nähen stürzen.



Auf Instagram (ja, dort gibt es öfter den ein oder anderen Einblick oder auch Zwischenergebnisse) hatte ich ein paar Fotos der alten Tasche gezeigt. In gewisser Weise ist dies hier nämlich ein Upcyclingprojekt. Vor einigen Jahren hatte meine Mama auf dem Markt eben so eine Umhängetasche mit einer Stadtkarte auf der Klappe gekauft. Nur war sie eben aus relativ dünnem Stoff - wobei kennt ihr dieses komische Vlies. Ich kann es nicht mal sagen, was das genau für Material war. Ich kann nur sagen, dass überall in der Tasche Löcher waren und die Versuche Flicken einzunähen alles nur schlimmer gemacht haben. So stand fest, dass ich die Klappe einfach an eine neue Tasche nähen werde. Eigentlich wollte ich Klipse und Gurtband weiter verwenden, aber ein es waren zwei verschiedene Klipse an der Tasche (wer bitte macht sowas?!?!) und die Versteller am Gurt waren schon spröde und zerbrochen, der Gurt selbst total weich und verknautscht. Aber das Schulterpolster sah noch gut aus.


Ich hätte geschworen, dass ich noch Gurtband in 50 mm im Schrank habe - hatte ich natürlich nicht. Im Laden war am Samstag so spontan auch keines zu bekommen. Aber 40 mm hatte ich und dafür auch passende neue Versteller aus Metall. Da ich das Gurtpolster aber gerne weiter verwenden wollte habe ich es einfach ein wenig schmaler abgesteppt. Auf den ersten Blick fällt es kaum auf.


Und auch auf den zweiten Blick stört es nicht wirklich. So kann mein Bruder seine neue alte Tasche weiterhin bequem tragen. Bei der Befestigung der Gurte habe ich mich wieder an der alten Tasche orientiert. Hier waren die Träger noch einmal mit einem weiteren querlaufdenden Gurtband abgedeckt. Bei der Wickeltasche von Farbenmix hatte ich das auch schon so gemacht. Was aber neu ist, dass keine Karabiner im Spiel sind, sondern der Gurt auf beiden Seiten verstellt werden kann - wieder wie beim Original. Mein Bruder mochte die Tasche so gerne, da wollte ich gerne viel beibehalten und ein bisschen optimieren.


Neben dem Polster hatte ich ja noch die Klappe weiter verwendet. Die habe ich erstmal so nah wie möglich an der Naht abgeschnitten und dann mit Lineal und Rollschneider begradigt. Die hintere Kante habe ich daraufhin mit Schrägband eingefasst. Genau so ist es bei der Planentasche von Keko-kreativ vorgesehen. Bisher habe ich die schon viermal genäht. Für das eigentliche Probenähen aus Segel, danach für meine Mama und eine Freundin aus Stoff - einmal sogar mit Reißverschluss - aber noch nie aus Plane. Damit die alte Klappe an die neue Tasche passt habe ich mal ein bisschen die Maße verglichen. Die Tasche für meinen Bruder ist am Ende 2 cm tiefer und 4 cm breiter als das Original von Kerstin geworden. Bei der Form der Schnittteile ist das gar kein Problem. Die Druckknöpfe habe ich einen Fingerbreit von den Seiten, mittig und genau dazwischen platziert. Die fertige Tasche und die Klappe habe ich dazu mit Klammern aufeinander fixiert und dann mit der Aale an den entsprechenden Stellen durchstochen.


Die alten Klipse wollte ich einfach nicht weiter benutzen. Die waren zwar noch in Ordnung, aber einer war eher rund und der andere eher eckig. Die kommen bestimmt irgendwann noch zum Einsatz. Hier gab es aber erstmal neue und einheitliche.


Wie im eBook beschrieben habe ich sie innerhalb der Einfassung der Klappe (das passte so gut zusammen) festgesteppt. Das Gurtband hatte ich erst ein wenig länger gelassen. Statt diese aber zu kürzen habe ich sie am Sonntag noch von Hand an den Resten der alten Befestigung festgenäht. So ist da nicht mitten auf der Rückseite ein Stück Gurtband. Beim Original wurde das Gurtband nur auf der Rückseite der Klappe befestigt. Das ging nun nicht mehr, denn dann hätte man die Naht auf dem Stadtplan gesehen - das wäre nicht schön gewesen.


Die Klipse unten in der Naht der Tasche hätte ich beinahe vergessen. Sie sind mir zum Glück vom Tisch gefallen als die eine Seite des vorderen Taschenteiles schon am Seitenstreifen angenäht war. Durch das Kurzen der Klappe und die neue Position der Klipse ist die Verstellung besonders praktisch. Bei normaler Füllung kann man sie ganz kurz einstellen. Da schlackert nichts und steht nichts ab. Macht man sie ein bisschen voller - wie ich auf dem Rückweg vom Nähtreffen (auf dem Hinweg hatte die alte Taschen ihren vorletzten Einsatz - am Sonntag hat sie noch als Müllbeutel gedient), dann kann man die Bänder ein wenig verlängern und die Tasche lässt sich weiterhin bequem schließen. Die unteren Enden des Gurtes habe ich zweimal umgeschlagen und festgesteppt. So sollten die Klipse nicht herunter rutschen.


Kommen wir mal zur Plane. Da hatte ich ein bisschen Sorge, aber die Nähmaschine hat es ohne Probleme genäht. Nur der Transport war nicht so einfach. Der Trick mit dem Washitape hat leider nicht funktioniert. Das hat sich nur unter den Fuß gerollt und am Ende konnte ich es aus der Naht fummeln. Nee. Dann baue ich doch lieber auf den Obertransportfuß um. Den gibt es für das alte Schätzchen nämlich - neue Füße wie Teflon oder Rolle sind leider nicht zu bekommen. Damit ging es dann richtig zügig voran. Auf der Vorderseite gibt es wie bei der alten Tasche zwei Fächer. 


Die obere Kante habe ich wieder mit Schrägband eingefasst und ein kleines "mit Liebe gemacht"-Label konnte ich mir nicht verkneifen. Ich habe ein bisschen gesucht bis ich in meinem Glas ein schönes schlichtes Label gefunden habe. Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich das Label mal geschenkt bekommen. So oder so: Ich hab mich sehr gefreut, dass ich was passendes gefunden habe.


Die Tasche selbst ist wirklich riesig geworden. In den originalen Schnitt von Kerstin geht schon ohne Probleme ein Ordner hinein, aber diese hier ist ja nochmal etwas größer geworden. Neben den Ordner passt ohne weiters noch eine 0,5 l Flasche Wasser. Wäre wohl für die Uni auch praktisch gewesen, aber auch für die Arbeit schadet ein bisschen mehr Platz sicher nicht.


Den Innenstoff hat mein Bruder sich selbst ausgesucht. Meine Mama hat ihn zusammen mit noch einigen Stoffen mehr von einer Bekannten geschenkt bekommen. Ich hätte um ehrlich zu sein nicht dazu gegriffen aber irgendwie passt es am Ende doch ganz gut zusammen. Vor allem aber ist der Stoff fast aufgebraucht und schön fest. So hat sich beim Nähen und Schneiden nichts verzogen - das war nach der langen Nähpause wirklich angenehm.


Die KamSnaps für die Klappe habe ich durch Innen- und Außenstoff befestigt. So sieht man sie zwar, aber ich dachte, dass es so auch gut hält. Innen- und Außentasche werden übrigens mit Schrägband versäubert und nicht gewendet. Es war aber auch so ein Kraft- und Geduldsakt die Außentasche zu wenden und auszuformen. Plane ist nicht nur Steif sondern klebt auch schön an sich selbst.


Innen gibt es wie beim Original auf der Rückseite ein großes Fach. Hier aber mit KamSnap statt Klett (da nähe ich seit vier Jahren und habe bisher noch nie Klett vernäht - nur im Auto verklebt, was sehr praktisch ist). Vorne in der Tasche gibt es nochmal zwei Fächer - genau wie auf der Außenseite. Hier aber ebenfalls zum Verschließen. So findet auch der Kleinkram in der riesigen Tasche seinen Platz und geht hoffentlich nicht verloren. Auf einen Schlüsselfinder habe ich verzichtet. Mein Bruder hat seinen Schlüssel nämlich immer an oder in der Hose. Die Fächer habe ich übrigens einfach durch Knicken der Schnittteile ausgetüftelt - die waren nicht vorgesehen. Das hohe Fach hinten habe ich genau so wie ein weiters Innenteil zugeschnitten und oben nur zweimal umgeschlagen.


Schnittmuster: Planentasche von Keko-Kreativ
Material: Plane und Gurtband von eBay, Tarnstoff ein Geschenk (vermutlich aus einem Lagerverkauf in Salzkotten), KamSnaps von Snaply, Gurtversteller und Klipse von Thal-Versand, Klappe und Gurtpolster von einer Kauftasche


Das eBook "Planentasche" wurde mir vor längerer Zeit kostenlos zur Verfügung gestellt, damit ich es auf Herz und Nieren testen kann. Auf die Umsetzung, die Fotos und meine Meinung wurde damals wie heute kein Einfluss genommen.

4 liebe & nette Meinungen

  1. Wow, was für eine tolle Tasche mit so vielen Details.
    Das könnte ich nie!
    Meine höchste Bewunderung für dich!!
    LG, Monika

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    1. Hallo Monika,

      so schwer ist das eigentlich gar nicht und so lange dauert es auch nicht. Ich würde sagen diese hier war in vier Stunden genäht - vielleicht waren es auch fünf. Dauert länger als ein T-Shirt, aber dafür kann man sie jeden Tag tragen - so ein Shirt muss ja mal in die Wäsche.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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  2. Super tolle Tasche. In dieser Tasche sieht man wieviel Arbeit darin steckt.
    Echt super. Ich bin begeistert.
    Schöne Grüße von Sabine

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    1. Hallo Sabine,

      ganz ganz lieben Dank. Dein Kommentar freut mich wirklich sehr.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mir einen Kommentar zu schreiben. Ich freue mich sehr.

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